THEATERBREMEN

Viel Applaus für „Michael Kohlhaas“

Held oder Spießer, ehrbarer Streiter fürs Recht oder schlichter Wutbürger? Über die Figur Michael Kohlhaas in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit wird gerne und viel diskutiert. Das Theater Bremen bringt Heinrich von Kleists gleichnamige Erzählung auf die Bühne des Kleinen Hauses. Premiere war am 16. November um 20 Uhr, Regie führt Martin Grünheit.

„Die Figur changiert zwischen bürgerlichem Helden und blindwütigen Terroristen“, sagt Dramaturgin Simone Sterr. Die Geschichte: Der Pferdehändler Michael Kohlhaas (den es tatsächlich gegeben hat) fällt während einer Reise der Willkür eines Junkers zum Opfers, der ein Dekret erfindet, das Kohlhaas nicht besitzen kann; er verspricht dennoch, es zu besorgen und muss als Pfand zwei Pferde beim Junker lassen. Bei seiner Rückkehr sind die Pferde in einem schlimmen Zustand, sein Knecht wurde verjagt. Kohlhaas versucht zunächst, sich auf legalem Wege Recht zu verschaffen; als er damit scheitert, wird er zum erbitterten Kämpfer gegen das, woran er einst geglaubt hat – an das Staatswesen. Die Rachsucht und das blinde Beharren auf seinem Recht lassen ihn wiederum zu jemandem werden, dem alles Menschliche fremd ist und der seinem eigenen Untergang entgegen mordet.

Regisseur Grünheit bringt den Stoff in seiner ersten Arbeit für das Bremer Schauspiel (für das Moks war er bereits einmal tätig) als vielstimmige Erzählung für fünf Schauspieler/innen und zwei Musiker/innen auf die Bühne. Simone Sterr: „Der Dynamik der sich verselbständigenden Geschichte gibt die Inszenierung durch choreografische Momente, lebendige Sprachbehandlung, wechselnde Rollenverteilung und ein üppiges Kostümbild Gestalt.“
Im Mittelpunkt steht die Figur des Kohlhaas – und mit ihm die Frage nach der Wahl der Mittel, mit denen er für Recht und Gerechtigkeit, gegen staatliche Willkür und Korruption zu Felde zieht.

Regisseur Martin Grünheit studierte Szenische Künste an der Universität Hildesheim und Schauspielregie an der Theaterakademie Hamburg. Seine Abschlussinszenierung „Salamitaktik – ein lustiger Abend“ war 2015 beim Festival OUTNOW! im Kleinen Haus zu sehen. Für das Moks setzte er in der letzten Spielzeit Traurig und fröhlich ist das Giraffenleben in Szene. Er ist Gründungsmitglied von cobratheater.cobra, das im Augenblick als Doppelpass-Kooperation mit dem THEATER AN DER PARKAUE in Berlin zusammenarbeitet.


Das Foto zeigt: v.l.:Nadine Geyersbach, Gina Haller, Colin Hacklander, Karin Enzler, Matthieu Svetchine, Justus Ritter
Foto & Copyright: Jörg Landsberg