THEATERBREMEN

Moks

Grüne Vögel

14+
Ein Projekt von Jan Eichberg und Nathalie Forstman
Eine Junge Akteure-Produktion

„Stellt euch eine laue Sommernacht vor. Denkt an einen leichten Wind, fröhliche Stimmen von umherstreifenden Grüppchen; aufgekratzt, erwartungsvoll. Jeder von uns kennt diese Nächte. Dann wird es euch auch nicht weiter verwundern, dass niemand etwas dagegen hatte, als wir sagten, wir wollten an diesem Abend noch ausgehen.“ („Grüne Vögel“) — Diese laue Sommernacht wird zur klaffenden Leerstelle, zum Fragezeichen für die Hinterbliebenen, denn einer der Jugendlichen befindet sich auf dem Weg in den „Heiligen Krieg“. Vielleicht auf der Suche nach Ordnung und klaren Fronten, Anerkennung und einem Sinn für das eigene Dasein? Sechs junge Akteure aus Bremen gehen Radikalisierungsgeschichten ähnlich sozialisierter junger Menschen nach und begeben sich in eine riskante Position: Sie lassen das Denken und die biografischen Fragmente der fiktiven radikalisierten jungen Menschen ganz nah an sich heran, erforschen die Nachvollziehbarkeit ihrer Gedankengänge und suchen nach Gemeinsamkeiten. Sie nähern sich der Verlockung, die ein mögliches Entkommen aus der totalen Entscheidungsfreiheit birgt.

Dauer: 70 Minuten, keine Pause

Termine / Karten

Besetzung

  • Hassan Baloch, Michael Dölle, Edin Imeri, Thorge Just, Rieke Klaßen, Janne Schröder
  • Regie Nathalie Forstman
  • Bühne und Kostüme Iris Holstein
  • Musik Thorsten zum Felde
  • Dramaturgie Marianne Seidler
  • Licht Jörg Keiper

Fotos

Video

Pressestimmen

„In diesem Spannungsfeld bewegen sich die SchauspielerInnen mit beeindruckender Authentizität. Tanzen zu ihrer Musik, sind so weltuntergangsdramatisch verliebt wie man das mit 16 eben ist und genießen eine Sommernacht, die für einen von ihnen zum Aufbruch in den „heiligen Krieg“ wird. Das Morden aber beginnt erst nach dem Stück. Nur im Hintergrund weht die Fahne des sogenannten „Islamischen Staats“ […] Die Ambivalenz der Freiheit darzustellen, gelingt der Inszenierung ohne den reaktionären Fehltritt in die Denunziation.“
Jan-Paul Koopmann, taz, 4. Mai 2016

„Am eindrucksvollsten bleibt die Szene einer Lehrerin in Erinnerung, die ihre Klasse zu einer Schweigeminute für die Opfer der Pariser Anschläge auffordern will. In die Stille hinein ruft ein Mädchen „Allahu akbar“ – und bringt den gewünschten Effekt zustande: den Zusammenbruch der schulischen wie der allgemeinen weltanschaulichen Ordnung. […] Diskussionsstoff bietet die Inszenierung, die herzlich vom Premierenpublikum gefeiert wurde, (…) reichlich. […] „Drei junge Männer und zwei Frauen, die sämtlich als Theater-Laien gelten können, springen hier durch eine Reihe von spritzigen und oft auch interessanten Impuls-Präsentationen. […] „Dabei sucht die Inszenierung zugleich nach tieferen Gründen und Ursachen für die Attraktivität der Dschihadisten – übrigens auch auf Seiten der jungen Frauen.“
Sven Garbade, Weser Kurier, 1. Mai 2016

„Dieses universelle Elend exerzieren die JungschauspielerInnen mustergültig durch: Sich missverstanden fühlen und eine radikale Lösung für die ganze Scheiße zu kennen – eine ganz einfache dazu, würden die Erwachsenen nicht dichtmachen.“
Jan-Paul Koopmann, taz, 4. Mai 2016

„Jugend will aber ausprobieren, sich abgrenzen. Und reagiert sensibel auf zweierlei Maßstäbe und Selbstgerechtigkeit. Durchgesetzte Normen müssen sich im ständigen Prozess allzeit neu herstellen. So weit, so allgemein. Was daraus folgen kann, steht im Zentrum von „Grüne Vögel“. Und wird uns von verschiedenen Positionen aus vorgeführt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber mit einem feinen Blick für Situationen, Konstellationen. […] Hassan Baloch, Michael Dölle, Edin Imeri, Thorge Just, Rieke Klaßen, Janne Schröder haben unter der Regie von Nathalie Forstmann und Dramaturgin Marianne Seidler das Experiment unternommen, sich in die Gedankengänge junger Menschen hineinzudenken, die den Islam als Antwort auf ihre Suche nach Sinn, Realismus, Wahrhaftigkeit nehmen, wobei die Außenseiterpose, die das ermöglicht, keine geringe Rolle spielt. Diese Identifikation auf Zeit unternehmen sie unter eigenem Namen und mit viel Spielfreude, was gelegentlich beklemmend intensiv gerät. Ein sehenswerter Abend.“
Rolf Stein, Kreiszeitung, 1. Mai 2016